Wir haben schon öfter über das Phänomen des Massentourismus oder Overtourism geschrieben. Ob Venedig, die Kanarischen Inseln oder Amsterdam. Beliebte Orte leiden unter massenhaftem Andrang von Tourist:innen und über Social Media wird ein perfektes Bild gezeigt, welches noch mehr Menschen anlockt. Genauso erging es auch dem maltesischen Mittelmeerparadies Comino. Mehr dazu erfährst du im Artikel.
Hautnah hat diese Entwicklung Colin Backhouse, der sein Geld mit Empfehlungen auf den maltesischen Inseln verdient, miterlebt. Seine Facebook-Seite Malta Holiday Experiences hat über 50.000 Follower:innen. Allerdings gibt es auch einen Ort, den er bewusst nicht empfehlen möchte.
Comino hat unter Massentourismus stark gelitten
Wie kam es also dazu, dass die kleinste der maltesischen Inseln dem Massentourismus zum Opfer gefallen ist?
Zum einen natürlich durch die landschaftlichen Voraussetzungen. Die Blaue Lagune lockt jährlich zehntausende von Besucher:innen mit ihrem einzigartigen Farbenspiel. Die Bucht leuchtet in kräftigen Farben, die durch eine Reflexion des Sonnenlichts auf dem weißen Kalksteinboden verursacht werden. Darüber noch die Mittelmeersonne und fertig ist das perfekte Fotomotiv.
Kein Wunder also, dass gerade in der Hauptsaison im Sommer unzählige Menschen genau dieses Motiv fotografieren und erleben wollen. Die Folge: eine Spur der Verwüstung. Überquellender Müll, zertrampelte Zistrosensträucher, unzählige Motorboote hinterlassen bleibende Umweltschäden.
Wenn dann also in der Nebensaison nach Comino reisen? Das wäre eine Maßnahme, allerdings reicht diese bei Weitem nicht aus. Deshalb gibt es seit Neuestem eine Begrenzung der Anzahl der Besucher:innen für Comino. Vorausgegangen waren im Jahr 2022 Aktionen der lokalen Gruppe Movimenti Graffti, die in Eigenregie die Insel von Liegestühlen und Sonnenliegen befreiten. Ein Ausdruck ihres Protests.

Besuchsobergrenze für Comino festgelegt
Endlich kommt die langersehnte Antwort der maltesischen Behörden, und seit diesem Jahr soll es eine Obergrenze für Tagesbesucher:innen geben. Die Zahl der Tagesausflügler:innen wird von 10.000 auf 5.000 reduziert. Es scheint ein erster Schritt in die richtige Richtung zu sein, um Comino dabei zu helfen, sich von den Schäden des Massentourismus zu erholen.
Für Mark Sultana, Geschäftsführer von BirdLife Malta, stellt dies allerdings nur einen Teilerfolg dar. Er gibt zu bedenken, dass die Begrenzung zwar ein guter Anfang wäre, allerdings dem noch zusätzlich ein öffentlicher Nachhaltigkeitsplan folgen müsse. Es ginge auch um den Erhalt des empfindlichen Ökosystems von Comino. Seine Forderung wäre daher eine Art Ticket-Kontrollsystem, bei dem nur eine begrenzte Anzahl von Tagestickets herausgegeben werden dürfe.

Die Hoffnung für die Zukunft von Comino bleibt
Joanna Gatt, ist Reiseleiterin auf Malta und hofft darauf, dass die Begrenzung der Besuchszahlen etwas bewirken wird. Bei ihrer täglichen Arbeit bekommt sie auch immer Beschwerden von Tourist:innen zu hören, über die unerfüllten Erwartungen Comino betreffend. Sie würden das Paradies erwarten und schnell macht sich die Enttäuschung breit, aufgrund der Überfüllung von Menschenmassen.
Die neuen Vorschriften mit Begrenzung der Besucher:innen sollen dafür sorgen, dass der maltesischen Insel Comino etwas von ihrem ursprünglichen Charme zurückgegeben wird. Zudem soll auch damit das fragile Ökosystem geschützt werden und für künftige Generationen erhalten bleiben.
Es liegt auch an uns, wie es weitergeht
Ich werde nicht müde darüber zu schreiben, dass die Entwicklung des Massentourismus auch an uns liegt. Da nehme ich mich auch nicht heraus, sondern fasse mich an die eigene Nase. Wir alle können etwas gegen den Massentourismus unternehmen, denn wir alle sind ja auch in irgendeiner Form zu einem bestimmten Zeitpunkt Tourist:innen, was nicht immer unbedingt etwas Schlechtes bedeuten muss.

Mit kleinen Dingen können wir aber auch etwas Großes bewirken und so stelle ich mir oft die Frage: muss es genau dieses Fotomotiv sein und der Ort, der sowieso schon unter einem enormen Andrang leidet? Ist es nicht viel spannender, interessanter und besser, einen unbekannten Ort zu bevorzugen, um zumindest einen kleinen Teil gegen den Massentourismus beizutragen? In meinem Fall versuche ich, wenn es möglich ist, in der Nebensaison zu verreisen und damit ein komplett anderes Bild von einem Land zu bekommen. Es lohnt sich, das mal auszuprobieren.
Was sind deine Tipps gegen den Massentourismus? Schreib es in die Kommentare!