Gletscher-Reisen sind atemberaubend – doch die Eisriesen verschwinden schneller, als wir es uns je hätten vorstellen können. Die Vereinten Nationen haben 2025 zum Internationalen Jahr des Gletscherschutzes erklärt, um auf den dramatischen Rückgang dieser eisigen Giganten aufmerksam zu machen. Doch was bedeutet das für dich als Reisende:r? Wenn du einen Gletscher siehst, erlebst du nicht nur ein beeindruckendes Naturphänomen, sondern auch die direkte Folge der Klimakrise. Und vielleicht motiviert dich dieser Anblick dazu, selbst einen Beitrag zum Schutz unseres Planeten zu leisten – sei es durch nachhaltigeres Reisen, bewussteren Konsum oder die Unterstützung von Klimaschutzprojekten. Wie kannst du Gletscher noch hautnah erleben, ohne ihre Zerstörung zu beschleunigen oder dich selbst in Gefahr zu bringen? Ein Überblick.
Trotz (oder gerade wegen) ihrer aktuellen Gefährdung sind Gletscher weiterhin faszinierende Reiseziele. Ihr Anblick kann uns nicht nur tief beeindrucken, sondern auch motivieren, aktiver zum Klimaschutz beizutragen. Wichtig ist dabei, die richtige Reiseart zu wählen und sich über die Risiken bewusst zu sein.
Eines der eindrucksvollsten Gletschergebiete Nordamerikas ist etwa das Columbia-Eisfeld in Kanada. Es erstreckt sich über die Nationalparks Banff und Jasper und ist ein Relikt aus der letzten Eiszeit. Besonders beeindruckend ist der Athabasca-Gletscher, den du mit einem speziellen Geländefahrzeug, dem Ice Explorer, erreichen kannst. Oder du wagst dich mit einer geführten Gletscherwanderung aufs Eis – aber nur mit professioneller Begleitung. Bergführer:innen von Yamnuska Mountain Adventures bringen dir dort die wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen bei – vom richtigen Umgang mit Seilen bis hin zur Rettung aus Gletscherspalten.
Ein weiteres, leicht zugängliches Gletscherziel ist der Mendenhall-Gletscher in Alaska. Nur 19 Kilometer von Juneau entfernt, bietet das Mendenhall Glacier Visitor Center spannende Einblicke in die Entwicklung des Gletschers. Besonders nachhaltig ist eine Kajaktour auf dem Mendenhall Lake – so kannst du das beeindruckende Eisfeld aus nächster Nähe erleben, ohne einen CO₂-intensiven Helikopterflug zu buchen. Doch Achtung: Das Juneau-Eisfeld schmilzt heute fünfmal schneller als noch in den 1980er-Jahren, und einige der berühmten Eishöhlen sind bereits nicht mehr sicher zugänglich.

Europas faszinierende Gletscherziele
In den italienischen Dolomiten ragt die Marmolada, auch „Königin der Dolomiten“ genannt, majestätisch in den Himmel. Mit einer Seilbahn erreichst du das Gipfelplateau, wo sich das höchste Museum Europas befindet. Hier erfährst du, wie Soldaten im Ersten Weltkrieg monatelang in einer eisigen „Stadt“ unter dem Gletscher lebten. Doch Vorsicht: Wer sich auf das Eis wagt, sollte unbedingt einen erfahrenen Guide buchen. Beim Gletscherbergsteigen kommt es nämlich nicht nur auf Können an, sondern auf Vorbereitung und Respekt vor der Natur.
Ein weiteres Highlight ist das Mer de Glace in Frankreich, der zweitgrößte Gletscher der Alpen. Mit einer neuen Gondelbahn erreichst du eine Panorama-Plattform, von der aus du das türkisfarbene Eis bewundern kannst. Vor Ort gibt es ein Museum, ein Restaurant und sogar eine begehbare Eishöhle, die jedes Jahr neu gegraben werden muss, da sich der Gletscher ständig verändert. Doch der Anblick ist bittersüß: Seit Jahren schrumpft das Mer de Glace rapide – sechs Meter Dicke verliert der Gletscher jährlich.
Gletscher-Reise – de letzte Chance?
Die dramatische Geschwindigkeit, mit der die Gletscher schmelzen, macht aus ihnen eine Art „Last-Chance-Tourismus“-Ziel. Doch das bedeutet nicht, dass du deinen Besuch unüberlegt planen solltest. Im Gegenteil: Wer Gletscher besucht, sollte dies verantwortungsvoll tun – mit möglichst geringem ökologischem Fußabdruck und unter Beachtung aller Sicherheitsvorkehrungen. Denn eines ist sicher: Die Zeit, um diese Wunder der Natur zu erleben, läuft ab.

Das bedeutet aber nicht, dass du auf eine Reise zu diesen einzigartigen Landschaften verzichten musst. Vielmehr geht es darum, wie du deine Reise gestaltest. Statt mit dem Flugzeug kannst du viele europäische Gletscher mit der Bahn erreichen – beispielsweise das Mer de Glace mit dem Zug nach Chamonix oder die Marmolada mit der Bahn bis Bozen und weiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer vor Ort auf nachhaltige Touranbieter setzt, die ökologische Standards einhalten, trägt dazu bei, die negativen Auswirkungen des Tourismus zu minimieren.
Auch vor Ort kannst du Verantwortung übernehmen: Indem du keine Spuren hinterlässt, dich an markierte Wege hältst und auf umweltfreundliche Unterkünfte setzt, leistest du einen Beitrag zum Schutz dieser fragilen Ökosysteme. Noch wichtiger ist jedoch das Bewusstsein, das du mit nach Hause nimmst. Wenn dich der Anblick eines schwindenden Gletschers berührt, nutze dieses Gefühl als Ansporn, nachhaltigere Entscheidungen in deinem Alltag zu treffen. Denn die Gletscher sind nicht nur ein Zeugnis der Vergangenheit – ihr Schicksal liegt in unserer Zukunft.
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